Pariser Auslandsgemeinde im Schock

Christen feiern Gottesdienst im Zeichen der Besinnung und Anteilnahme

16. November 2015

Kondolenzbuch für die Opfer von Paris im Berliner Dom

Paris (epd). "Heute sind wir schockiert über die terroristsche Gewalt", sagt Pfarrerin Gesine Beck zu Beginn des Gottesdiensts in der Deutschen Evangelischen Christuskirche in Paris, 36 Stunden nach den Anschlägen in der französischen Hauptstadt, bei denen mindestens 130 Menschen ums Leben kamen. Es sei "ein Tag der Besinnung", fährt sie fort und verweist darauf, dass an diesem Tag in Deutschland am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht wird.

Die Gemeinde feiert am Vormittag ihren üblichen Sonntagsgottesdienst mit rund 50 Kirchgängern in der Christuskirche. Mit ihren rund 600 Mitgliedern versteht sich die Gemeinde als Heimat aller deutschsprachigen evangelischen Christen in Paris und Umgebung. Doch dieser Gottesdienst ist überschattet von den Ereignissen am 13. November.

"Die ungezählten Opfer werden nicht  vergessen"

Schon am Abend des 14. November wurde in der Kirche eine schlichte Andacht gehalten, anstelle des geplanten Gottesdienstes. Dazu waren rund 20 vor allem junge Leute gekommen, um Textlesungen zu hören und Lieder zu singen. Auf dem Altar stellten sie Kerzen auf, für die Opfer und ihre Angehörigen.

Beim Sonntagsgottesdienst predigt Beck über die Erzählung von Jesus im Matthäus-Evangelium, "wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet" (Mt 25,31-46). "An einem Tag wie heute verheißt er uns, dass das Unrecht dieser Welt und insbesondere die ungezählten Opfer nicht vergessen werden", sagt Pfarrerin Beck. "Wir glauben an einen Gott, der nicht das Blutopfer von Menschen fordert", unterstreicht sie.

Die Theologin und ihr Ehemann Martin Beck sind seit 2011 die zwei Pfarrer der Christuskirche. Eingeweiht im Jahr 1894, steht das Gotteshaus mitten im belebten 9. Arrondissement von Paris, dem Theaterbezirk der Stadt, einem Touristenmagnet. Bis zum Boulevard Haussmann mit seinen großen Einkaufstemplen "Galeries Lafayette" und "Printemps" ist es nicht weit. Viele der Geschäfte und Theater sind nach den Anschlägen geschlossen geblieben. Die Behörden haben die Bevölkerung aufgefordert, zu Hause zu bleiben, wenn es eben geht.

Ein Netz der Solidarität

Auch die Christuskirche hat ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt - schon nach dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" Anfang Januar. Zur Gemeinde zählen viele Deutsche, die schon lange in Paris leben und in Frankreich voll integriert sind, aber auch Menschen, die nur für eine begrenzte Zeit in der französischen Hauptstadt bleiben - als Entsandte in deutschen Firmen oder an der Botschaft, als Au-pairs und Praktikanten. Viele von ihnen wohnen in einiger Entfernung zur Kirche im Westen von Paris, in der Nähe der deutschen Schule.

Nach dem Gottesdienst unterstreicht Pfarrerin Beck, dass sich die Gemeinde und ihre Mitglieder als Teil der französischen Gesellschaft verstehen. Die Christuskirche ist angeschlossen an die Protestantische Föderation Frankreichs. "Wir leben als Teil der französoschen Protestantismus, aber auch mit unserer eigene Identität." Aus Deutschland und von anderen Auslandsgemeinden haben die deutschsprachigen Protestanten in Paris in den letzten Stunden viel Beistand erfahren. Pfarrerin Beck nennt es ein "Netz der Solidarität".

Stephen Brown (epd)


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Publikationsdatum dieser Seite: 11.10.2017 16:33