Weltgebetstags-Projekt: Das Schweigen brechen

Das Bahamas Crisis Centre leistet Prävention gegen sexuelle Gewalt

06. März 2015

Junge Frauen auf den Bahamas

Sexualität ist noch immer ein Tabu-Thema auf den Bahamas. Das Weltgebetstags-Land in der Karibik hat eine der höchsten Vergewaltigungsraten weltweit. Kaum irgendwo anders sind Teenager so früh sexuell aktiv - jede vierte Mutter ist unter 18. Das Bahamas Crisis Centre versucht, die jungen Menschen aufzuklären.

Objektive Information und vertrauensvolle Beziehungen sind die beste Prävention gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche - da ist sich Sandra Dean-Patterson, die Direktorin des Bahamas Crisis Centre (BCC, Bahamaisches Zentrum für Krisenintervention) sicher. Das Frauenrechtszentrum mit den Schwerpunkten Bekämpfung von sexueller und häuslicher Gewalt besteht seit 1982. Stand anfangs die Opferhilfe im Vordergrund, so nehmen inzwischen Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit einen ebenso breiten Raum ein. Seit 2013 ist das BCC die gemeinsame Partnerorganisation der Weltgebetstagskomitees aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Auf sich allein gestellt

"Wenn wir Erfolg haben wollen in unserem Kampf gegen geschlechterspezifische Gewalt, dann müssen wir uns mit ihren kulturellen Wurzeln auseinandersetzen", sagt die Direktorin. "Dazu gehört, dass wir über das Tabu-Thema Sexualität zu reden beginnen." Vor Teenagersexualität stecken die Eltern gerne den Kopf in den Sand oder "warnen" ihre Kinder davor.

Dabei wird durchaus mit zweierlei Maß gemessen: "When ah leggo mih cock yuh betta tie up your hen" ("Wenn mein Hähnchen unterwegs ist, dann sperr' dein Küken besser weg") - eine beliebte Redewendung auf den Bahamas, um Mädchen vor sexuellen Übergriffen zu warnen. Kinder und Jugendliche sind ziemlich auf sich allein gestellt. Sie erhalten weder angemessene Informationen noch werden sie in ihren Familien darin unterstützt, ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper und ihrer Sexualität zu entwickeln. Teenager-Schwangerschaften und ein erschreckendes Ausmaß an sexueller Gewalt sind nur die beiden offensichtlichsten Konsequenzen der unheiligen Allianz aus Ignoranz und gesellschaftlicher Konvention.

"Lasst uns reden"

Genau dort setzt das BCC an: Mit dem Slogan "Lasst uns reden" wendet sich das Zentrum in einer breit angelegten Aufklärungskampagne an Jugendliche und junge Erwachsene beiderlei Geschlechts. Über Spots in Zeitungen, Radio, TV und den sozialen Netzwerken lernen sie, sexuelle Gewalt als solche zu identifizieren und sie als Unrecht zu erkennen. Austauschforen in den Stadtvierteln ergänzen das Programm.

Dort lernen die Jugendlichen, über ihre eigenen Erfahrungen mit sexueller Gewalt in intimen Beziehungen zu sprechen. Das Schweigen zu brechen, ist nur die eine Seite, eine positive Sexualität zu entwickeln, die andere.

Prominente Unterstützung

"Wir wollen, dass Jugendliche über die Auswirkungen von sexueller Gewalt auf ihr persönliches Leben und die Gesellschaft insgesamt nachdenken", betont Dean-Patterson. "Jugendliche brauchen Vorbilder, die ihnen zeigen, dass der Verzicht auf Gewalt und ein respektvoller Umgang miteinander ihnen helfen, bessere und vertrauensvollere Beziehungen aufzubauen."

Prominente Unterstützung hat das BCC bereits gewonnen: Maria Govan und Khareem Mortimore, zwei international bekannte bahamaische Filmschaffende, werden die Jugendaustauschforen moderieren. Das wird die Jugendlichen überzeugen, dass es nicht länger ein Tabu ist, über "diese Dinge" zu sprechen!

Jörg Echtler (evangelisch.de)
Foto: WGT/F. Marquardt


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Publikationsdatum dieser Seite: 08.04.2019 12:03