Erster Militärpfarrer reist ins Ebola-Gebiet

Pastor Tübler will Helfer und Angehörige von Patienten in Liberia betreuen

16. Januar 2015

Andreas-Christian Tübler, Militärpfarrer, Ebola, Monrovia

Hamburg (epd). Heute wird es ernst für Andreas-Christian Tübler: Als erster deutscher Militärpfarrer reist der 57-Jährige aus Appen (bei Hamburg) ins Ebola-Gebiet nach Westafrika. In Liberias Hauptstadt Monrovia begleitet er fünf Wochen lang deutsche und einheimische Helfer. Das Deutsche Rote Kreuz betreibt in der Millionenmetropole gemeinsam mit der Bundeswehr ein Ebola-Behandlungszentrum.

Tübler wird nicht in den Hochrisikozonen arbeiten. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehören Seelsorgegespräche mit den Helfern des Zentrums, in dem etwa 50 Leute arbeiten. Sie seien erheblichen körperlichen und seelischen Belastungen ausgesetzt und haben "möglicherweise viele Leichen gesehen", sagt Tübler. Auf diese Gespräche bereitet er sich vor, indem er Krisenszenarien gedanklich durchspielt.

Außerdem möchte er Angehörige von Ebola-Patienten betreuen, die in der Nähe des Behandlungszentrums auf eine Nachricht über ihre Angehörigen warten. Auch Gottesdienste wird Tübler feiern. Dazu hat er bereits ein englischsprachiges Gesangbuch und mp3-Dateien mit Liedern herausgesucht. Auch Andachten für Gestorbene wird er vermutlich anbieten.

Für den Einsatz sind der Militärpfarrer und die Helfer auf einem Lehrgang vorbereitet worden. Dafür wurde eigens eine Autohalle auf über 30 Grad aufgeheizt, um das Anlegen der Ebola-Schutzanzüge möglichst praxisnah zu trainieren. Tübler selbst wird die Anzüge nicht tragen, wollte aber wissen, "wie sich die Helfer darin fühlen".

Gelernt hat Tübler auch, wie man sich vor Ort verhalten muss: Keine Hände schütteln, oft desinfizieren, Ansammlungen von Menschen vermeiden. In Liberia sei die Situation momentan "zwischen Hoffen und Bangen", sagt der Militärgeistliche. Belastbare Nachrichten gebe es nicht, doch die Zahl der Ansteckungen sei offenbar leicht zurückgegangen. Ob das so bleibt, könne aber niemand prognostizieren.

Und was sagt Tüblers Familie zu seinem Einsatz in Liberia? "Sie sind nicht erfreut gewesen", verrät er. Aber nachdem er ihnen erklärt habe, worum es geht, hätten sie ihr Einverständnis gegeben. Er habe keine Angst, sondern eher eine Art von Respekt, sagt Tübler. Der Feind sei unsichtbar und verzeihe keine Fehler.

"Doch wenn man sich an die Regeln hält, ist das Risiko einigermaßen beherrschbar." Ohnehin vertraue er auch "auf den Schutz Gottes". Mit Einsätzen im Ausland hat Tübler bereits Erfahrung: Vor einem halben Jahr war er zu einem Seelsorge-Einsatz im westafrikanischen Mali. Auch in Afghanistan war er einige Wochen. Vor seiner Zeit als Militärpfarrer war Tübler unter anderem persönlicher Referent der früheren Hamburger Bischöfin Maria Jepsen.

Für seine Zeit in Monrovia hat Tübler einen großen Wunsch: Am Ende seiner Zeit möchte er einen Dankgottesdienst dafür feiern, dass die Helfer gesund geblieben sind und möglichst viele Menschen von Ebola geheilt wurden. Wenn Tübler im Februar aus Afrika zurückkommt, kann er seine Frau und seine zwei erwachsenen Töchter aber noch nicht in die Arme schließen. Zunächst kommt er für einige Zeit in die Quarantäne-Station einer Klinik. Erst wenn sicher ist, dass er sich nicht angesteckt hat, darf er nach Hause.

Timo Teggatz (epd)


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Publikationsdatum dieser Seite: 16.05.2019 11:07